Ein Jobwechsel sei wohl überlegt.

Change it, love it or leave it

Wann macht ein Jobwechsel Sinn?

Mein Job macht mich kaputt. Ich arbeite gut 10-12 Stunden am Tag als Marketingleitung. Okay, „nur“ Marketingleitung bin ich schon lange nicht mehr. Viel mehr bin ich „das Mädchen für alles“ und unter anderem auch im Projekt- und Produktmanagement eingebunden. Die ganze Verantwortung, die ich zu tragen habe, hinterlässt bei mir ständige Sorgen, ob ich etwas falsch gemacht haben könnte. Dazu hätte ich lieber eine eindeutige Position, die entsprechend honoriert wird und einen klaren Karrierepfad. Das wirkt sich stark auf meine innere Zufriedenheit aus. Macht ein Jobwechsel für mich Sinn? Aber was ist, wenn ich meinen Lebensstandard dann nicht mehr halten kann? Oder ich im aktuellen Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen kann, oder wenn ich vom Regen in die Traufe komme? Wird mich ein anderer Arbeitgeber überhaupt haben wollen, besonders, wenn ich den Job an den Nagel gehängt habe?

Melanie M.

Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation wie Melanie M. befinden und Sie sich die ähnlichen Fragen stellen, sind Sie natürlich nicht alleine. Laut einer aktuellen Studie von Randstad planen 15 % Arbeitnehmer den Job innerhalb der nächsten zwölf Monate zu wechseln. Schlechte Bezahlung, schlechtes Arbeitsklima und mangelnde Anerkennung sind oft die Hauptgründe, über einen Jobwechsel nachzudenken. Das Gefühl auf der Stelle zu treten und fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten können ebenso ein Auslöser sein, den Job quittieren zu wollen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer hat den Arbeitgeber bereits ein bis fünfmal in Ihrem Leben gewechselt. Meist entscheidet sich im zweiten Arbeitsjahr für ein Drittel aller Fachkräfte, ob ein dauerhaftes Verbleiben im Unternehmen Sinn macht.

Doch Vorsicht! Auch wenn diese Schilderungen eine Normalität von Jobwechseln suggerieren, sollte ein Wechsel gut durchdacht sein. Ein Jobwechsel ist eine Entscheidung, die große Auswirkungen auf Ihren weiteren beruflichen Werdegang und damit auf künftige Bewerbungschancen haben kann. Vielleicht ist der Job nicht mehr der richtige, weil einer der folgenden Gründe zutrifft?

  • Gesundheitliche Probleme
    Sie merken, dass Sie vor Antritt Ihrer Tätigkeit noch gesünder waren. Rückenschmerzen oder häufige Magen-Darm-Erkrankungen, sind psychosomatische Anzeichen dafür, dass Ihnen der Stress auf der Arbeit dauerhaft im wahrsten Sinne auf den Magen schlägt.
  • Sozialer Stress
    Sie haben das Gefühl, nicht ins Team oder ins Unternehmen passen. Das heißt Sie fühlen sich mit Ihrer Rolle im Team fehl am Platz, Sie werden gemobbt oder passen eigentlich besser zu einer anderen Unternehmenskultur. Oder die Zusammenarbeit macht Ihnen aus anderen sozialen Gründen keinen Spaß mehr.
  • Entwicklungsmöglichkeiten
    Sie meinen auf der Stelle zu treten und nicht weiter zu kommen. Trotz wachsender Berufserfahrung scheitern Gehaltsverhandlungen, sie fühlen sich bei der Beförderung übergangen oder sie haben keinen ausreichenden Zugang zu Fördermaßnahmen. Sie möchten gerne mehr Verantwortung übernehmen, aber Ihre „Pyramide“ ist zu flach.
  • Karrierestufe
    Sie sind auf der Karriereleiter hochgestiegen und fühlen sich dort nicht mehr wohl. Sie würden viel lieber mehr operativ arbeiten und weniger in Meetings rumsitzen – und auch gerne Verantwortung abgegeben? Das ist möglicherweise eine der schwierigsten Herausforderungen, ist aber auch möglich!
  • Sicherheit
    Das Unternehmen streicht laufend Stellen, da es sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation befindet und Sie leben in ständiger Unsicherheit um Ihren Job. Ist es besser, schon mal selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und sich nach einer neuen Stelle umzuschauen oder könnte sich Ihre Treue und Loyalität auszahlen? Oder ist Ihr Vertrag nur befristet?
  • Familie
    Ihre Work-Life-Unit ist nicht ausgewogen, Sie möchten in eine andere Region umziehen, das Arbeitszeitmodell ist nicht flexibel genug oder andere Familienmitglieder fordern ihr Recht ein.
  • Motivation
    Zu Beginn waren Sie noch begeistert und konnten sich mit Unternehmens- oder Projektzielen identifizieren? Nun ist aber „die Luft raus“, weil sich wesentliche Parameter verändert haben, das Innovationstempo ist Ihnen zu gering oder Sie stoßen andauernd an Systemgrenzen?

Bitte nicht zu früh und möglicherweise ungeplant tätig werden.

Wenn der Arbeitgeber ohne Not zu früh gewechselt wird, kann sich dies auf Dauer negativ auf Ihre Karrierechancen auswirken, also besser etwas abwarten und durchhalten?

Wenn Ihr Job Sie nicht krank macht, macht es generell Sinn, zumindest drei Jahre auf einer Position zu bleiben. Dabei ist ein Jahr als Einarbeitungsphase zu verstehen, ein weiteres Jahr um ein Projekt voranzutreiben und ein drittes Jahr um fruchtbare Ergebnisse im Unternehmen zurückgelassen zu haben. Dennoch können häufigere Jobwechsel mit kürzeren Verweildauern toleriert werden. Gerade Berufseinsteiger, die berufliche Schwerpunkte setzen möchten, sich erst mal orientieren müssen oder nur Zugang zu befristeten Stellen haben, können dies in Ihrem Lebenslauf glaubwürdig hervorheben. Grundsätzlich kann die Toleranz von häufigen Jobwechseln je nach Branche und Personaler variieren.

Wollen Sie nur irgendwo WEG – oder irgendwo HIN?

  1. Erstellen Sie sich eine Liste mit Pro und Contra und listen Sie auf, wie Sie ihre aktuelle berufliche Situation qualitativ bewerten. Versuchen Sie dabei möglichst sachlich zu bleiben, vielleicht nehmen Sie eine vertraute Person mit dazu.
  2. Wenn Sie diese Liste erstellt haben, beurteilen sie die Contras danach, ob Sie eine Veränderung zum Positiven beeinflussen können und wie.
  3. „Change it“ Das „System“ Ihres Arbeitgebers werden Sie wohl nur schwer oder nur marginal beeinflussen oder verändern können, vielleicht hilft es aber in Ihrem „Mikrosystem“ (Ihrer Abteilung, Ihr Arbeitsbereich), durch Ihr Verhalten oder durch Kommunikation kleine Verbesserungen zu erreichen. Es kann hierbei auch helfen, sich bei Kollegen auszusprechen.
  4. Love it“ kann auch bedeuten, eine Situation als unabänderlich zu akzeptieren und sich einen Ausgleich zu suchen. Vielleicht machen Sie einen „Vertrag“ mit sich selbst und vereinbaren eine Frist, definieren Sie einen Zeitpunkt, bis zu welchem Sie eine positive Veränderung bewirken oder feststellen wollen. Oder die Unerträglichkeit der Situation neu bestimmen werden. Bewerten Sie die Situation als Ganzes. Oder reicht es möglicherweise aus, Ihre Einstellung zu Personen oder Aufgaben zu ändern.
  5. „Leave it“ Bevor Sie „loslaufen“ überlegen Sie genau wie das Ziel aussieht, was eine Veränderung bewirken soll. Beschreiben Sie nach Möglichkeit den Zielzustand im Präsenz und schreiben Sie das auf! Das hilft Ihnen zukünftige Stellenangebote besser zu selektieren und beurteilen zu können.
  6. Eine besondere Beziehung. Ihr Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber wird durch verschiedene Einflussfaktoren geprägt, manchmal gibt es Spannungen oder Differenzen, bei denen Sie jedoch auch einen Einfluss haben. Wie in privaten Beziehungen interagieren auch hier immer mindestens zwei Parteien miteinander – und tragen auch beide einen Teil der Verantwortung. Prüfen Sie doch mal für sich, ob und wenn ja welchen Teil Sie verantworten oder beeinflussen, vielleicht lässt sich noch etwas retten? Wenn Sie jedoch zu dem Ergebnis kommen, dass ein LEAVE unausweichlich ist, dann sollten Sie verantwortungsbewusst – also mit Verantwortung für Sie selbst – handeln.

Falls Sie zurzeit über einen Jobwechsel nachdenken, sich aber noch nicht sicher sind, ob Sie kündigen wollen oder wie Sie einen bereits vollzogenen Jobwechsel überzeugend begründen wollen, können wir Sie gerne unterstützen. Buchen Sie dazu eines unserer Workshops oder Coachings.

Viele Grüße und bis bald

Ihr Dieter Krautwald

Herbwood & Friends

Coaching

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