Das Team ist tot – es lebe die Crew

Bei den letzten Segeltörns mit Führungskräften ist ein Gedanke zur der Effizienz von Teams wieder aufgetaucht, der bei Teambuilding-Prozessen berücksichtigt werden sollte:
Arbeitsgruppen, die als Team nach Proporz aus Mitgliedern verschiedener Abteilungen gebildet werden, arbeiten häufig nicht effizient. Viel Zeit wird für Organisatorisches vergeudet und oft wird die Arbeit nur von einigen wenigen erledigt, während andere sich abwartend oder /und opportunistisch verhalten.

Eine deutlich größere Wahrscheinlichkeit zur Erreichen der gesetzten Ziele ergibt sich, wenn wir uns einmal die Crew als Organisationseinheit ansehen:

Anders als in Teams nach tradierter Art und Weise ist zum Beispiel die Besatzung eines Segelschiffes auf andere Art und Weise zusammen gesetzt. Hier hat jeder eine ihm eindeutig zugewiesene Aufgabe, für die jeder auch eindeutig verantwortlich ist. Ohne das Zusammenspiel dieser Crewmitglieder sind Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen (Trimm) oder Kurskorrekturen (Manöver) nicht möglich.

Manchmal macht es durchaus Sinn, solche Funktionen auch redundant zu besetzten, aber in Teams verhalten sich einige oft eher passiv – die Passagiere.

Selbstverständlich ist auch an Bord eine vorherige Abstimmung über Ziele und Methoden erforderlich, aber wenn klar ist, wer die handelnden Personen sind, und ob die wichtigen Stationen auch mit kompetenten Kräften besetzt sind, kann die Crew ihre Ziele mit entsprechender Erfolgswahrscheinlichkeit ansteuern.
Das Bild einer Crew auf einer Segelyacht mit den der dort zu besetzenden Postionen kann deshalb als Matrix bzw. als Analogie für die Zusammenstellung Ihrer nächsten Arbeitsgruppen dienen:

Der Skipper
Der Skipper teilt die Crew ein und bestimmt, falls erforderlich den Schiffsführer (den Stellvertreter). Er trägt die Gesamtverantwortung und greift (nur) ein, falls er eine Notsituation erkennt, welche seine unverzügliche und persönliche Reaktion verlangt.
Er ist in den meisten Fällen auch für die Navigation und die allgemeine Organisation beim Segeln verantwortlich, hält sich aber oft im Hintergrund auf.

Der Navigator
Der Navigator ist für die Bestimmung des Kurses der Yacht verantwortlich. Er berechnet die Strecken abhängig von Wind und Wetter, Tide und Strömung sowie anderen Einflüssen und gibt den Kurs vor.
Er gibt der Crew nicht nur die notwendige Angaben sondern beobachtet auch die Einhaltung des eingeschlagenen Kurses und eventuelle Bedrohung, wie Kollisionen oder Begegnungen

Der Rudergänger
Der Rudergänger steht am Steuerrad und ist verantwortlich für die Einhaltung des gewählten Kurses, beobachtet die Fahrt des Schiffes und gibt die Kommandos für Manöver, wie z. B. Kursänderungen.
Eine sehr wichtige Regel an Bord kann hier übernommen werden: Vor der Änderung des Kurses müssen alle Beteiligten informiert werden (Klar zur Wende) und zur Einleitung des Manövers muss ein klares Kommando erfolgen (und re!)
Wenn der Rudergänger nicht den Kurs halten kann oder Hindernisse nicht erkennt, muss er abgelöst werden.

Die Deckshand / Deckshände
Die Deckshand ist für verschiedene Aufgaben an und unter Deck verantwortlich. Die anfallenden Aufgaben sollten festgelegt und unter mehreren Crewmitgliedern verteilt werden. Es kann beispielsweise zwischen Verantwortlichkeiten für das Großsegel, den Vorsegeln (steuerbord und backbord), für die Vor- und Heckleinen, den Fendern, dem Funkgerät und anderen unterschieden werden.

Für Arbeitsgruppen in Unternehmen gilt: es gibt eindeutige Zuständigkeiten und zur Not auch Stellvertreter oder Ersatzleute.

Finanzminister:
Der Finanzminister ist für die Bordkasse (Budget) zuständig. Insbesondere bei größeren Crews oder längeren Törns kann es sinnvoll sein, eine Person zu bestimmen, welche die Ausgaben im Auge behält, dies wird oft in Personalunion mit anderen Aufgaben übernommen.

Passagiere:
Passagiere werden an Bord nicht gebraucht, können aber bei Bedarf mit eingebunden werden. Nach Eignung und Interesse können diese aber auch für Teilaufgaben eingeteilt werden und für zukünftige Törns lernen. Sie stehen aber auch gerne im Weg herum und behindern Manöver.

Notwenige Abstimmungen / Meatings
Für die Abstimmung innerhalb der Crew reicht es übrigens aus, wenn sich zum Beispiel Skipper und Navigator oder Rudergänger und Segelhand kurz abstimmen, es ist oft nicht nötig, wenn sich die ganze Crew zur Abstimmung (oder unnötigen Teamsitzungen) trifft.

Während der Fahrt achten alle Crewmitglieder auf ihr eigenes Arbeitsgebiet und tragen somit Teilverantwortung für das Gelingen.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen demnächst einen ein Team zusammen stellen und unterschiedliche Kompetenzen vertreten wissen wollen, erinnern Sie sich bei der Auswahl der Mitglieder doch mal an dieses Bild von einem Segeltörn.
Sehr hilfreich kann es natürlich sein, wenn Ihr Team einmal als Crew auf einem Schiff zusammengearbeitet hat.

Viel Erfolg mit dem Teambuilding und bis bald

Ihr Dieter Krautwald

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