Hochqualifiziert und arbeitslos – wie Sie trotz Überqualifizierung eingestellt werden

Es klingt seltsam. Olaf B. hat scheinbar alles richtig gemacht. Er hat in Chemie promoviert, um seine Jobchancen zu optimieren. Seine Qualifizierung macht Ihn einsatzfähig in Forschung und Entwicklung. Unternehmen könnte er entscheidende Impulse liefern. Leider muss Olaf feststellen, dass in Industrieunternehmen eher Bachelorabsolventen eingestellt werden. Kernargument: aus Kostengründen. Doch noch weitere Fallstricke gehen mit einer Überqualifizierung einher. Der Personaler unterstellt dem Bewerber, dieser sei schnell unterfordert, schwierig in ein Team einzugliedern und zu tonangebend. Indessen könnte der Interviewer den Verdacht hegen, es handele sich nur um einen Übergangsjob. So etwas wie ein Notnagel oder das geringere Übel.

Gegen solch festgefahrene Vorurteile anzutreten kann manchmal einen Kampf gegen Windmühlen sein. Daher sollten Sie sich mit dem Thema Überqualifizierung bereits bei Ihrem Bewerbungsschreiben auseinandersetzen. Im Vorstellungsgespräch nehmen Sie dem Thema dann komplett den Wind aus den Segeln.

Gehen Sie im Anschreiben direkt auf Ihre Überqualifizierung ein

Es mag zunächst abgehoben erscheinen, wenn Sie im Anschreiben betonen, dass Sie überqualifiziert sind. Dennoch unterstreichen Sie auf diese Weise, dass Ihnen Ihre Ausgangslage durchaus bewusst ist und Sie ernsthaftes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben. Eine derartige Formulierung könnte in diese Richtung gehen: „Meine ausgeprägten Kompetenzen und Fähigkeiten erwecken womöglich den Eindruck, dass ich überqualifiziert bin. Lassen Sie mich dennoch erläutern, weshalb es für mich der richtige Schritt ist, mich um eine Stelle bei Ihrem Unternehmen zu bemühen.“ Bleiben Sie außerdem bescheiden. Vermitteln Sie nicht den Eindruck, den neuen Job auf die leichte Schulter zu nehmen. Sondern reden Sie durchaus von Herausforderungen, denen Sie jedoch gewachsen sind.

Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf andere Aspekte

Selbstverständlich können Sie Ihren Doktortitel nicht verschweigen. Sie können aber die Aufmerksamkeit nur auf wirklich relevante Fähigkeiten und Kompetenzen lenken. Wenn Sie Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf gestalten, könnten Sie auch gewisse Bereiche durch Fett markierte Wörter und Unterstriche hervorheben. Dadurch rücken Sie nur solche Qualifikation ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die zur Stelle passen. Alles was darüber hinausgeht, markieren Sie nicht. Somit geraten Ihre übermäßigen Qualifikationen eher in den Hintergrund.

Vermitteln Sie Ihr Downshifting als bewusste Entscheidung

Nichts stört Personaler mehr als unbelegte Aussagen und Phrasen. Wenn Sie also ohne Begründung sagen, Sie würden mit Ihren Gehaltsvorstellungen nach unten gehen, ziehen Sie entweder verständnislose Blicke oder Sätze wie: „Sie haben doch viel mehr verdient!“ auf sich. Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrem Gehaltsvorschlag nicht mehr als 10 % nach unten gehen. Beispielsweise im Vergleich zu einem branchenüblichen Gehalt eines Doktoranden in der Chemiebranche. Sie sollten nicht den Eindruck vermitteln, Sie wären sich Ihres eigenen Wertes nicht bewusst. Knüpfen Sie daher Ihre Bereitschaft an Voraussetzungen wie erfolgsabhängige Prämien oder Gehalterhöhungen in den nächsten Jahren. Heben Sie zudem hervor, dass für Sie Einkommen nicht Ihre stärkste Antriebsfeder ist. Vielmehr steht für Sie die Freude der geforderten Aufgaben im Mittelpunkt. Nicht nur mit dem Gehalt könnten Sie eine Bereitschaft zeigen, eine etwas geringere dotierte Position zu bekleiden. Sie könnten genauso darauf eingehen, eine Position mit weniger Verantwortung übernehmen zu wollen, als es für einen Doktoranden üblich ist. Dazu könnten Sie argumentieren, dass Sie aktuell mehr Zeit für Ihre Familie benötigen und jetzt noch keine Führungsposition anstreben. Auch ein Hinweis auf Ihre individuelle Karrierestrategie kann hier wertvoll sein.

Bekunden Sie ernsthafte Absichten

Am wirksamsten ist es, ernsthafte Interessen für die Stelle zu beschreiben. Vermitteln Sie, dass Ihnen als Doktorand noch Berufserfahrung fehlt, um gleich in eine Top-Position einsteigen zu können. Ihnen ist bewusst, dass Sie fachlich schon sehr weit fortgeschritten sind. Jedoch gibt es noch einiges, was Sie im Berufsalltag und in Bezug auf das Unternehmen dazulernen können. Hierzu kann auch der Hinweis erfolgen, dass das Thema Ihrer Doktorarbeit zu wenig praktischen Anwendungsnutzen hatte, sie dies aber nicht wesentlich beeinflussen konnten. Sicherlich hat Ihre Abschlussarbeit ja nicht exakt die gleichen Themenbereiche behandelt, die für die ausgeschriebene Position relevant sind. Auf diese Weise zeigen Sie, dass Sie selbst noch einiges zu lernen haben. Die Stelle könnte aber entsprechende Entwicklungsaufgaben beinhalten, denen Sie bereits heute gewachsen sind.

Machen Sie doch, was SIE wollen!

Falls Sie Schwierigkeiten haben sollten, Ihre Überqualifikation erfolgreich im Bewerbungsverfahren zu vermarkten, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Buchen Sie dazu einen unserer  Workshops oder ein Coaching.

Viele Grüße und bis bald

Ihr Dieter Krautwald

Herbwood & Friends

 

 

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