privat, am Arbeitsplatz oder im Assessment Center

Nicht nur im Privatleben, auch im Job ergeben sich immer mal wieder Konflikte und Missverständnisse. Vielleicht surft der Kollege im Internet, während sich die Aufgaben meterhoch stapeln oder eine Berufsanfängerin hat die lang ersehnte Beförderung bekommen, auf die alteingesessene Mitarbeiter*innen schon seit Monaten warten. Das lässt sich nicht vermeiden – und obwohl es zunächst unangenehm ist, kann Streit auch ein produktiver Antrieb sein. Wie Sie es schaffen, am Arbeitsplatz richtig zu streiten und auch in angeheizten Diskussionen sachlich zu bleiben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Mit sich selbst in den Dialog gehen

Am liebsten würden Sie Ihrem Ärger wahrscheinlich sofort Luft machen. Zuerst sollten Sie aber ganz bewusst ruhig bleiben und mit sich selbst ins Gespräch gehen. Machen Sie sich klar, warum Sie das Problem aufregt und hinterfragen Sie die Gründe. Fragen Sie sich, was Sie mit einem Streit konkret erreichen wollen – geht es Ihnen um Einsichtigkeit oder ist eine bestimmte Lösung das Ziel? Nehmen Sie auch für einen Moment die Position des Konfliktpartners ein. Das hilft Ihnen, Ruhe zu bewahren und ebnet den Weg für eine sachliche Diskussion. Es ist wäre weder für Sie selbst, noch für Ihre Kolleg*innen besonders angenehm, wenn Sie mitten im Büro plötzlich hochgehen.

Die richtige Gesprächsstrategie

Konflikte am Arbeitsplatz sollten immer so gelöst werden, dass beide Seiten als Gewinner aussteigen. Denn fokussiert sich das Gespräch auf Schuldzuweisungen und das Durchsetzen der eigenen Bedürfnisse, führt das zwangsläufig zu immer stärker werdenden Spannungen. Der Verlierer fühlt sich benachteiligt und kontert im schlimmsten Fall mit Intrigen oder Mobbing. Das oberste Ziel ist also immer eine gemeinsame Lösung der beiden Gesprächspartner. Dazu sollten Sie Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse genauso wahrnehmen, wie die des Gegenübers, und die innere Bereitschaft haben, nicht bloß auf Ihr Recht zu pochen.

Regeln für sachliches Streiten

Gefühle und Konflikte sind eng mit einander verbunden. Es lässt sich kaum vermeiden, dass man sich im Streit auch mal von seinen Gefühlen leiten lässt – das liegt einfach in der Natur des Menschen. Trotzdem gibt es ein paar psychologische Tricks, mit denen Sie auch im Konfliktgespräch einen kühlen Kopf bewahren.

  • Akzeptanz: Es ist in Ordnung, unterschiedlicher Meinung zu sein. Akzeptieren Sie die Sichtweise des Gegenübers und machen Sie sich gleichzeitig bewusst, dass Sie damit nicht einverstanden sein müssen.
  • Auf aktuelle Probleme konzentrieren: Im Streit sollten keine alten Wunden aufgerissen werden. Beschränken Sie sich auf die aktuelle Problematik und lassen Sie die Vergangenheit ruhen.
  • Anschuldigungen vermeiden: Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und aggressive Du- bzw. Sie-Botschaften („Immer machst du…“). Der Gesprächspartner geht sofort in die Defensive und eine gemeinsame Lösungsfindung wird fast unmöglich.
  • Nicht von negativen Emotionen anstecken lassen: Wenn der Gesprächspartner wütend wird, lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Versuchen Sie aber auch nicht, ihm die Gefühle auszureden.
  • Nicht den Chef spielen: Es kann vorkommen, dass sich ein Streit unter Kollegen nur noch mit Hilfe der Vorgesetzten schlichten lässt. Für den seltenen Fall, dass auch das nicht hilft, sollten Sie auf keinen Fall selbst maßregeln, sondern lieber noch einmal mit dem Vorgesetzten sprechen.
  • Pause machen: Wenn die Emotionen trotzdem überkochen sollten und wirklich gar nichts mehr geht, machen Sie am besten eine Pause und verschieben Sie das Gespräch auf einen anderen Zeitpunkt, bis sich die Wogen wieder geglättet haben.

Formulierungshilfe

Wenn Sie das Gespräch initiieren:

  • Sprechen Sie in der Ich-Form.
  • Benennen Sie Ihre Gefühle.
  • Äußern Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse.
  • Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und Verallgemeinerungen.

Wenn Sie konfrontiert werden:

  • Versuchen Sie, das Problem des Konfliktpartners zu verstehen und sich in ihn hineinzuversetzen.
  • Fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist und wiederholen Sie das, was Sie verstanden haben mit eigenen Worten.
  • Fragen Sie nach den Erwartungen und Bedürfnissen des Gegenübers.
  • Vermeiden Sie Rechtfertigungen.
  • Beschließen Sie, wie weit Sie dem Gesprächspartner entgegenkommen und begründen Sie Ihre Entscheidung.

Natürlich sind nicht alle Menschen gleich und jeder geht anders mit Konflikten um. Die einen sind wütend, die anderen gekränkt, manche wiederum haben Angst, Probleme anzusprechen. Letzten Endes belasten unausgesprochene Konflikte jedoch das Betriebsklima und damit auch die Produktivität. Fassen Sie sich ein Herz und sprechen Sie Probleme an. Kommunikation ist der Schlüssel zu Erfolg – dazu gehört es auch, sich manchmal zu streiten.

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